Das Fundament für Selbstbestimmung und Resilienz
Warum Autonomie für autistische Menschen lebensnotwendig ist
Autonomie ist ein angeborenes Grundbedürfnis. Für autistische Menschen ist sie jedoch weit mehr als das: Sie ist die Voraussetzung für körperliche und seelische Integrität. Wir verstehen Aut-is-mus als ein tiefes Wissen um diese Notwendigkeit: Autonomie ist Muss.
Der innere Raum und die äußeren Barrieren
Wenn die Umwelt nicht auf die spezifischen Wahrnehmungsbedürfnisse autistischer Kinder eingestellt ist, entstehen Barrieren. Diese sind oft so massiv, dass sie z.B. unter anderem das vegetative Nervensystem und die motorischen Fähigkeiten tiefgreifend beeinflussen können. Ohne eine gesunde Distanz – die Fähigkeit, sich gegenüber diesen Überforderungen abzugrenzen – gerät das System Kind / Mensch in einen dauerhaften Ausnahmezustand [1].
Erkenntnisse die weiter helfen
(weiterführende Informationen verlinkt)
den Ruhezustand erhalten
Lernen und Kommunikation ermöglichen
Stimming unterstützen
dem Autist-Sein ist Akzeptanz entegen zu bringen
Barrieren sind regulierbar zu gestalten
Das Abgrenzungsverbot lösen
Häufig lernen autistische Kinder schon früh, ihre eigenen Grenzen zu ignorieren, um den Erwartungen ihres Umfelds zu entsprechen. Dieses „Abgrenzungsverbot“ hindert sie daran, ihren eigenen Raum zu schützen. Die Folgen sind chronischer Stress, tiefe Erschöpfung und ein schmerzhafter Verlust der Verbindung zu den eigenen Bedürfnissen. Dies kann bis zum Stillstand essenzieller Grundlebensfunktionen wie dem Schlaf oder der Nahrungsaufnahme führen.
Gesunde Distanz bedeutet:
Wahrnehmung: Das eigene Empfinden ernst nehmen und Barrieren benennen.
Schutz: Einen inneren Raum bewahren, der frei von Leistungsdruck und Fremdbestimmung ist [2].
Resilienz: Die Kraft entwickeln, Lösungen für Probleme zu finden, ohne an ihnen zu zerbrechen.
Unser Ansatz: Resilienz-Training
Wir ermutigen Kinder, Jugendliche und ihre Begleiter dazu, das Abgrenzungsverbot zu erkennen und aufzulösen [3].
Nur wer Selbstschutz lebt, hat die Entscheidungsfreiheit gesund zu leben, für die eigene Autonomie Entscheidungen neu zu treffen.
Ziel ist ein selbstbestimmtes Leben, in dem die individuelle Art zu lernen, zu kommunizieren und zu sein, nicht nur toleriert, sondern als wertvolles Geschenk gelebt wird. Nur wer Achtung für sich selbst erfährt, kann diese Achtung auch an sein Gegenüber zurückgeben.
Figurenspiel
Unsere Methodik: Symbolische Selbstermächtigung
Statt starrer Theorie nutzen wir die "Sprache des Spiels". Inspiriert von systemischen Abgrenzungsansätzen (wie denen von Dr. Langlotz), haben wir eine eigene, kindgerechte Form der Aufstellungsarbeit entwickelt.
1. Vom Konzept zum Spiel
Wir haben die abstrakte Idee des "Inneren Raums" und der "Abgrenzung" in die Welt von Angry Birds und Star Wars geholt. Wenn komplexe systemische Verstrickungen zu "Darth Vader" oder "grünen Schweinen" werden, versteht ein Kind sofort, worum es geht.
2. Aktive De-Konstruktion
Während klassische Methoden oft im Gespräch bleiben, gehen wir ins Handeln. Das physische Umwerfen der Klötzchen-Türme (die für Barrieren oder übergriffige Strukturen stehen) ist ein neurobiologischer Befreiungsschlag.
Das Ziel: Die Transformation von Ohnmacht in Wirksamkeit.
Der Effekt: Das Nervensystem erlebt real: "Ich kann mich wehren. Ich kann diese Struktur verändern."
3. Individuelle Heldenreise
Jede Figur wurde aus Fimo selbst erschaffen. Damit wird das Spiel zur persönlichen Heldenreise. Es ist kein Training "nach Schema F", sondern eine individuelle Adaption, die genau dort ansetzt, wo das Kind steht – in seiner Kreativität und seiner Wut.
Einzelnachweise
Arno Gruen Verrat am Selbst, die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau, dtv 15016
Ronald Grossarth-Maticek Autonomietraining: Gesundheit und Problemlösung durch Anregung der Selbstregulation; Berlin 2000
Dr. Ernst R. Langlotz "Maligne Symbiose und Autonomiestörung als entscheidende Ursache von Stress, Krankheit und destruktivem Verhalten (Teil 1 und 2)" in Systemische Aufstellungspraxis, 2006 Heft 2 und 3 / Ders. "Destruktion und Autonomieentwicklung - Ein Beitrag zum Verständnis und zur Behandlung destruktiven Verhaltens" (S. 46) in Praxis der Systemaufstellung, 2006 Heft 2