Entwicklung eines Trägerbildes
Wir standen vor der Aufgabe ein Trägerbild zu entwickeln, das der Kinder- und Jugendhilfe enstpricht. Unser Träger insgesamt umfasst folgende Aufgabenbereiche:
Wissenschaft und Forschung
Bildung / Erziehung
Wohlfahrt
Kinder- und Jugendhilfe
Das Trägerbild: Eine Reise in die zeitlose Selbstbestimmung
Dieses Kunstwerk ist weit mehr als ein Foto; es ist eine vielschichtige Komposition aus Literatur, Philosophie und gelebter Inklusion. Entstanden in Zusammenarbeit mit dem Künstler Peter Prinz, dessen Tiere das Projekt begleiteten (dokumentiert auf der Website „Schildkrötenprinz“), verbindet das Bild reale Fotografie mit symbolstarker digitaler Nachbearbeitung.
1. Die Welt von Momo und Meister Hora
Das Bild zitiert zentral Michael Endes Roman Momo und setzt ein Zeichen gegen die „Grauen Herren“ der Leistungsgesellschaft:
Momo & Meister Hora: Die Kleidung der Frau ist direkt an die Figur Momo angelehnt. Doch durch die große Schildkröte auf ihrem Schoß und der kleinen auf dem Schoß des Kindes, wird die Frau zugleich zur Repräsentantin von Meister Hora, dem Hüter der Zeit, ebenso wie das Kind dies inne hat.
Kassiopeia & die Langsamkeit: Die Schildkröten auf den Schoßen von Kind und Frau symbolisieren die prophetische Schildkröte Kassiopeia. Sie stehen für das Akzeptieren eines eigenen, natürlichen Tempos. Wahre Erkenntnis braucht Zeit und die Abwesenheit von Hast.
Die Stundenblume: Als Symbol für die Kostbarkeit des Lebens erinnert sie daran, dass Zeit ein Geschenk ist, das nicht geraubt werden darf – besonders nicht durch den Druck zur Normanpassung.
2. Wissenschaft contra Ökonomie: Der Spiegel
Ein entscheidendes Detail ist der Spiegel. Anstatt der zynischen Gleichung der Grauen Männer im Film, anstelle der Logik der Zeitdiebe zeigt er eine Raumzeitformel. Er bricht mit der ökonomischen Verwertung des Lebens und rückt die physikalische Realität in den Fokus: Zeit ist eine Dimension des Universums, kein Handelsgut. Das ist zentraler Teil der Philosophie, denn die Raumzeitformel (r^2 = x^2 + y^2 + z^2 - (ct)^2) im Spiegel ist das Gegenteil dessen, was wir normalerweise in unserer Gesellschaft als „Zeit“ = "Geld" definieren.
Das Bild ist Teil der Kunstaktion von Oswald Henke und seines Musiktheaterstücks „Meinungsstörung“:
Das T-Shirt: Mit dem provokanten Schriftzug „Ich liebäugle damit aus der Menschheit auszusteigen, aber ich weiß noch nicht welcher Gattung ich mich dann anschließen soll...“ thematisiert es das Gefühl des „Andersseins“ und die Suche nach einer Identität jenseits starrer gesellschaftlicher Normen. Es ist ein Plädoyer für die Freiheit, außerhalb vorgefertigter Schubladen zu existieren.
„Tage des Wassers“: Das im Bild verwendete Bilderbuch zeigt Texte und Bilder aus Henkes Werk. Die Zeilen bilden das Herzstück der Bildaussage:
"Das Leben wartet, die Welt in weiß gehüllt. Sie steht still. Es kostete jeden Moment in vollen Zügen aus, blieb noch länger einfach Kind."
Tiefergehende Bedeutung dieser Zeilen:
Das Warten: Es symbolisiert die bewusste Verweigerung, sich dem Takt der „Zeitdiebe“ zu unterwerfen. Es ist kein Stillstand, sondern ein aktives Innehalten.
Die weiße Welt: Sie steht für das unbeschriebene Blatt aus dem Tao. Es ist der Zustand des ursprünglichen Seins – frei von Erwartungen, Bewertungen und dem sensorischen Lärm der Welt. In dieser „weißen Stille“ kann das Kind ganz bei sich selbst anfangen, ohne dass andere bereits ihre Vorstellungen darauf projiziert haben.
Das Kindsein: Das Recht, sich ohne den Druck des „Funktionierens“ zu entwickeln. Hier greift eine universelle Wahrheit: Wenn man an Gras zieht, wächst es auch nicht schneller – es reißt nur aus. Wahre Entwicklung braucht Zeit, Schutz und den richtigen Boden, keinen künstlichen Zug von außen.
4. Die Märchenhafte Umgebung: Wald und Picknick
Die Szenerie im Wald schafft einen Rahmen des Verweilens:
Wachstum und Vergehen: Der morsche Baumstamm, umrankt von jungem Grün und wildem Hopfen, symbolisiert den natürlichen Kreislauf des Lebens.
Märchenraum: Tannen und Ranken erzeugen eine Atmosphäre, wie man sie aus Märchen kennt – ein Ort für Träume. Die Picknickdecke lädt dazu ein, im Hier und Jetzt zu bleiben und die Sicherheit des Augenblicks zu genießen.
5. Symbole des Reifens: Schmetterling, Puppe und Eule
Kleine Details erzählen von der individuellen Entwicklung und der Kraft des Eigenen:
Flügge werden: Der Schmetterling auf dem Kleid symbolisiert das Entpuppen, das Fliegenlernen und die letztendliche Freiheit. Er ist das Bild für die Verwandlung, die ohne äußeren Zwang, sondern aus innerer Reife geschieht.
Die Sammlerpuppe: Im Film Momo versuchen die Grauen Herren, Momos alte Puppe gegen Hunderte seelenlose Barbies auszutauschen. Doch Momo hält an ihrer einen Lieblingspuppe fest. Sie steht für Beständigkeit, Tiefe und die Ablehnung von Oberflächlichem.
Die Eule: In der Welt von Momo verstummen die Vögel, weil die Grauen Herren ihnen die Zeit und den Zuhörer rauben – ihr Schweigen ist dort ein Zeichen von Not. Die Eule in diesem Bild hingegen steht für ein selbstgewähltes, schöpferisches Schweigen. In der Geborgenheit des Waldes findet sie die Freiheit, ihr „Buhu“ zu rufen, wann immer sie will. Wenn man ihr wirklich zuhört und Zeit mitbringt, hört man die Eulen erst richtig. Sie ist der Beweis für Sicherheit und Selbstwirksamkeit: Sie singt oder ruft nicht, weil sie eine Erwartung erfüllen muss, sondern sie offenbart, was sie zu sagen hat, wenn man sich auf sie einlässt.
Eigene Spielsachen: Die Sammlerpuppe und die Eule stehen als individuelle, persönliche Gegenstände für die Wichtigkeit des Spiels an sich. Sie schlagen eine Brücke zwischen der Welt der Kinder und der Erwachsenen, die sich die kostbare Verbindung zu ihrer eigenen Kindheit und ihrer Fantasie bewahrt haben.