Viele Autist:innen sehen, hören, riechen und erleben die Welt anders als nicht-autistische Menschen. Es ist davon auszugehen, dass Autismus mit einer veränderten Wahrnehmung der Umwelt einhergeht. Es werden insgesamt mehr Reize bewusst verarbeitet und/oder einzelne Reize verstärkt wahrgenommen.
So kann es beispielsweise sein, dass einzelne Autist:innen Gerüche, Geschmäcker, Geräusche, Berührungen oder visuelle Reize wahrnehmen, die andere nicht bemerken. Diese andere Wahrnehmung sorgt dafür, dass Autist:innen ihre Umwelt teilweise als intensiver und chaotischer wahrnehmen als Nicht-Autist:innen.
"Autismus ist eine genetisch bedingte menschliche neurologische Variante.
Autismus ist ein Entwicklungsphänomen, was bedeutet, dass es im Mutterleib beginnt, es angeboren ist und während der gesamten Lebensdauer einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung auf verschiedenen Ebenen hat. Autismus verursacht charakteristische, untypische Arten des Denkens, der Bewegung, der Interaktion, sowie der sensorischen und kognitiven Verarbeitung.
Im Kontext einer Gesellschaft, die im Sinne der sensorischen, kognitiven, entwicklungsbezogenen und sozialen Bedürfnisse nicht-autistischer Individuen gestaltet worden ist, werden autistische Individuen jedoch fast immer bis zu einem gewissen Grad behindert - manchmal ganz offensichtlich und manchmal subtiler."
(Walker, 2015)
“Der Autismus an sich ist keine Hölle. Die Hölle entsteht erst durch eine Gesellschaft, die sich weigert, Menschen zu akzeptieren, die anders sind als die Norm oder diese Menschen zur Anpassung zwingen will."
(O'Neill 2001, S. 71)
Barrieren können Hindernisse jeder Art sein, welche im Alltag einschränkend sind. Sie sind immer subjektiv zu betrachten, daher kann dieselbe Situation für eine Person gar kein Problem darstellen, während sie für eine andere Person so schlimm ist, dass sie zu so einem großen Hindernis wird, dass nicht normal weitergemacht werden kann.
Barrieren können im physischen, kognitiven oder emotionalen Raum erscheinen, oder mehreren dieser Räume zugeordnet werden.
Hybrider Unterricht beschreibt eine Möglichkeit für Schüler:innen, dem Unterricht auch außerhalb des Klassenraums zu folgen. Dafür kann beispielsweise mit einem Livestream in einen Nebenraum oder auch zuhause gearbeitet werden. So können Schüler:innen gegebenenfalls trotz hoher situativer Barrierelast im Klassenraum dem Unterricht folgen.
Hypersensitivität ist ein Zustand, der situativ oder permanent auftreten kann, bei dem Menschen Reize verstärkt wahrnehmen und es ihnen schwerfällt, Reize zu filtern. Dies betrifft die Sinnesreize (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen). Hier kann es zu einem Overload, also einer Reizüberflutung kommen.
Hyposensitivität ist ein Zustand, der situativ oder permanent auftreten kann, bei dem ein oder mehrere Reize nur abgeschwächt wahrgenommen werden. Hypersensible Menschen müssen sich hier sehr anstrengen, um den Reiz, der abgeschwächt wahrgenommen wird, zu verarbeiten.
KO-Muster sind Muster, welche Autist:innen handlungsunfähig machen können. Welche Muster das sind, kann sich von Person zu Person unterscheiden, da es sich um eine sehr subjektive Wahrnehmung handelt.
Bei Masking handelt es sich um ein Anpassungsverhalten an das Umfeld, welches manche Autist:innen zeigen. Meist handelt es sich hierbei um Mimik und Gestik, welche neurotypischem Verhalten angepasst werden. Auch das oberflächliche Aushalten von belastenden Situationen ist eine Form von Masking.
Die Auswirkungen der Überlastung zeigen sich dann zeitverzögert, sobald eine Person in einer sicheren Umgebung (beispielsweise dem eigenen Zuhause) ist.
Zu einem Meltdown kann es kommen, wenn eine Person einer für sie als sehr stark empfundenen Reizüberflutung ausgesetzt ist (Overload) und sie dieser Situation nicht entkommen kann. Hier kann es zu Wutausbrüchen und selbstverletzendem Verhalten kommen. In dieser Situation ist es wichtig, den/die belastenden Reiz/e sofort zu unterbinden und die Person auch keinen weiteren Reizen auszusetzen (z.B. durch Berührung). Ein Meltdown kann auch zeitverzögert auftreten, sobald eine sichere Umgebung (beispielsweise das eigene Zuhause) aufgesucht wurde.
Neurodiversität beschreibt die neurologische Vielfalt und die unterschiedliche Reizverarbeitung und Wahrnehmung der Umwelt, die alle Menschen haben. Somit werden abweichende neurologische Verarbeitungsarten, wie sie beispielsweise bei Autismus auftreten, nicht als Störung oder Krankheit gesehen, da sie nur eine natürliche Variation der Menschheit darstellen.
Bei Neurominderheiten handelt es sich um einen Anteil der Menschheit, der in einer ähnlichen Weise eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt hat. Beispielsweise Autist:innen oder ADHSler:innen. Die Diskriminierung von Neurominderheiten wirkt in ähnlicher Weise wie andere Differenzkonstruktionen, wie Rassismus oder Sexismus.
Bei Neurominderheiten handelt es sich um einen kleineren Anteil von Menschen, welcher sich aufgrund beispielsweise veränderter Wahrnehmung im Vergleich zur neurotypischen Norm unterscheidet. Hierzu zählt auch Autismus.
Neurotypisch ist ein Großteil der Menschen. Hierbei handelt es sich um Normen, zum Beispiel in Bezug auf Wahrnehmung und Sozialkompetenzen. Neurominderheiten entsprechen diesen Normen nicht, weshalb sie eine Minderheit im Vergleich zur Menge an neurotypischen Menschen darstellen.
Bei einem Overload handelt es sich um eine Überlastungserscheinung durch zum Beispiel sensorische und soziale Barrieren. Dadurch kann es unter Anderem zu zu vielen Reize kommen, die sich aufstauen und hochschaukeln und dadurch sehr belastend für die autistische Person sein können. Ein Overload kann auch durch Hypersensitivität entstehen, wodurch Reize verstärkt und ungefiltert wahrgenommen werden. Es kann zu unwillkürlichem Stimming kommen. Wird der Overload zu schlimm, kann es zu einem Meltdown oder Shutdown kommen.
Die Sensorik beschäftigt sich mit der Sinneswahrnehmung (sehen, riechen, schmecken, tasten, hören) von Menschen. Besonders relevant wird diese auch bei Autismus, da hier veränderte Wahrnehmungen nachweisbar sind.
Ein Shutdown kann aus einer Überlastungssituation (Overload) hervorgehen. In diesem Zustand ist die Person aufgrund der starken Reizüberflutung oft nicht ansprechbar. Meist gab es vor dem Shutdown beispielsweise keine Rückzugsmöglichkeiten oder eine soziale Bedrohung und es war kein Stimming möglich.
In dieser Situation ist es wichtig, den/die belastenden Reiz/e sofort zu unterbinden und die Person auch keinen weiteren Barrieren auszusetzen (z.B. durch Berührung), um ihr zu helfen. Bedürfnisse, die eventuell geäußert werden, müssen ernstgenommen und respektiert werden. Ein Shutdown kann auch zeitverzögert auftreten, sobald eine sichere Umgebung (beispielsweise das eigene Zuhause) aufgesucht wurde. Im Anschluss kann es Stunden, Tage oder Wochen dauern, je nach Intensität, bis der Ruhezustand wieder erreicht wurde und die Person wieder in der Lage ist weiter zu machen.
Stimming beschreibt Handlungen die unwillkürlich begonnen und bewusst oder unbewusst fortgeführt werden, die sich häufig durch kleine, in kurzer Abfolge wiederholende Handlungen auszeichnen. Beispielsweise das „Wackeln“ mit einem Stift in Konzentrationsphasen, das um einen Finger drehen von Haaren oder das Drehen eines Fidget Spinners. Stimming kann auch eine unwillkürliche Möglichkeit sein mit Barrierelast umzugehen. Es ist wichtig, diese Handlungen nicht zu unterbinden, da sie vor allem für Autist:innen ein wichtiges Hilfsmittel sind, um mit belastenden Situationen (oftmals Reizüberflutung oder anderen Barrieren) umzugehen und ansonsten ein Shutdown begünstigt wird.
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (umgs.: UN-Behindertenrechtskonvention) wurde 2006 verabschiedet und 2009 in Deutschland ratifiziert. Sie besitzt rechtlich die gleiche Stellung wie beispielsweise die Kinderrechtskonvention und ist somit ein Zusatz zu den Menschenrechten. In ihr werden Rahmenbedingung für die Teilhabe aller Menschen in öffentlichen Bereichen wie Bildung, Beruf oder Gesundheitsversorgung festgeschrieben. Sie schließt (systematische) Diskriminierung aufgrund von Fähigkeiten aus.